Donnerstag, 24. März 2016

Am Meer herrscht Frieden.

Wer mir bei Instagram folgt, hat mein aktuelles Bild und den Text darunter von gestern schon erblickt. Momentan arbeite ich wieder als Aushilfe auf Sylt, weshalb ich gestern bei dem wunderschönen Wetter auch wieder am Meer stand...


Ich arbeite im Reisebüro, ich habe tagtäglich mit Menschen zu tun, die die Welt entdecken möchten, die andere Kulturen kennenlernen wollen und darauf aus sind so viel wie möglich zu sehen und zu erleben... Ich selbst spare mein Geld um zu Reisen, lebe, durch diesen Beruf, von dem kleinen Luxus günstiger reisen zu können und kann vor lauter Fernweh manchmal nicht mal ruhig im Bürostuhl sitzen...

Doch es hat sich verändert, die Menschen werden vorsichtiger... Als ich vor 3 Jahren meine Ausbildung begann, stand uns allen die Welt sozusagen offen, jeder ist dort hin geflogen, wo er gerade hin wollte - wir haben Ägypten gebucht, Tunesien, die Türkei und sind nach Paris gereist, doch langsam verbreitet sich die Angst. Kann ich dort noch hinfliegen? Haben sie Infos bekommen, ob es dort in letzter Zeit wieder kritisch wurde? Fragen über Fragen und wir können kaum Antworten geben. Vielleicht fällt es mir jetzt auch einfach noch mehr auf, aber leugnen kann dies wohl niemand, ganz egal, wo man arbeitet.

Die Angst verbreitet sich, überschwemmt die Gemüter, setzt sich fest und ich stehe da am Meer, beobachte die Wellen, die Sonne leuchtet vom Himmel, lässt den Strand heller leuchten, der kalte Wind fährt mir durch die Haare und dann atme ich tief ein und aus, schließe die Augen und höre nur das Rauschen des Meeres.


Aber es ist nicht nur die Angst vor Krieg und einsamer Flucht, es ist nicht (nur) die Furcht vor anderen Kulturen, die wir nun nicht mehr in anderen Ländern sondern im eigenen Land kennenlernen und es ist auch nicht nur die Ungewissheit, die uns vorsichtig werden lässt - es ist die Furcht, dass wir irgendwann einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sein könnten, dass unsere Leben auf einmal vorbei sein könnten, wir jemanden verlieren den wir lieben oder unsere Fußspuren im Sand mit der nächsten Welle ganz leicht fortgespült werden.

Vor einem Jahr waren unschuldige Menschen an Bord eines Flugzeuges und haben nicht damit gerechnet niemals mehr deutschen Boden zu berühren, Verwandte und Freunde haben auf sie gewartet, doch sie kamen einfach nicht... 
Mein Vater war einige Tage vorher selbst mit German Wings in Barcelona und jetzt wo es sich jährte und die Berichte kamen - ich fragte mich immer und immer wieder was geht nur schief in der Welt?

Ich stehe dort am Wasser, der helle Strand, das blaue Meer - es wirkt fast so, als sei ich im Urlaub. Ich beobachte die Surfer, die sich zum ersten Mal in diesem Jahr wieder in die Fluten stürzen und hätten sie keine Neoprenanzüge an, sähen die Bilder aus, als wäre Sommer. Erneut atme ich langsam tief ein und aus und schaue zum Horizont. Nur das Rauschen des Meeres ist zu hören.


Brüssel steckt uns allen noch in den Knochen. Menschen, die verreisen wollten, Menschen, die auf ihre Lieben gewartet haben, weil diese aus dem Urlaub kommen sollten, Menschen, die ihrer Arbeit nachgingen - Menschen, die liebten, die am Wochenende feierten, Kinder haben, Menschen wie du und ich - von jetzt auf gleich aus dem Leben gerissen...

Ich wollte auf dem Blog nicht zu ausführlich mit diesem Thema werden, habe bei den Anschlägen in Paris aus Solidarität und als Zeichen dafür, dass ich geschockt und traurig bin, nur ein Bild bei Instagram gepostet und statt nur den Hashtag prayforparis zu verwenden, war es mir dort schon wichtig #prayfortheworld zu nutzen. Allerdings ändern Hashtags und Bilder aber nun einmal nicht die Welt, damit rettet man keine Menschen!
Ich wollte nicht ausführlich mit diesem Thema werden, doch ich sehe nicht ein ängstlich zu sein und deshalb meinen Mund zu halten, ich finde diese Menschen, die gestorben sind, haben es verdient erwähnt zu werden und sei es nur um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen.

Ich habe vorhin den Post von Maybritt von "List for life" gelesen und ich konnte die ganz Zeit nur nicken und ihr zustimmen. Gut, ich werde jetzt wohl kein Veganer (Hut ab an alle, die dies können) und ich werde genauso wenig wie sie alleine etwas gegen den Terror etc. ausrichten können, aber wenn wir zusammen halten, dann können wir doch etwas ändern und die Welt etwas besser machen...

Das Meer ist auch nicht immer ruhig, es ist an manchen Stellen so flach, dass du dich rein legen kannst ohne unterzugehen, an manchen Stellen so tief, dass man nicht mal sagen kann welche düsteren Tiere in der Dunkelheit leben, manchmal ist das Wasser so rein, dass man es fast trinken könnte und dann ist es so salzig, dass das Salz einen an der Oberfläche hält.

Das Meer kann stürmisch sein, es kann einen hin- und herwerfen, sobald es einen unter Kontrolle gebracht hat, es lässt große Schiffe sinken, tritt über die Ufer, verwüstet ganze Städte und lässt Grauen und Verzweiflung zurück.

Das Meer hat viele Gesichter, es ist blau und grau und braun, auf Sylt hast du so gut wie immer Wellen und starke Unterströmung, aber auch mal ruhige Tage und doch - etwas bleibt immer gleich -  sobald man am Meer steht, die Wellen beobachtet, dann die Augen schließt, langsam tief ein und aus atmet und nur noch das Rauschen hört:

Da ist Frieden, in dir drin.




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Kommentare:

  1. Ein wunderbarer Text, ganz ehrlich! Jeder hat seine eigenen Ideen, wie er seine Spuren hinterlassen kann und wie er auf Dinge, die einem nicht gefallen, reagiert. Aber was ich auch interessant finde, ist dein Job im Reisebüro! Ich stelle es mir immer total toll vor, wenn man so mitbekommt wo andere Menschen hinreisen :)
    Liebe Grüße, Maybritt

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    1. Dankeschön für dein liebes Kommentar! :) Das stimmt.. jeder kann etwas für eine bessere Welt beitragen - man darf nur nicht weggucken.. :)
      Ja, da bekommt man viele tolle Sachen mit und ehrlich gesagt liebe ich es den Kunden ihren perfekten Urlaub zu verkaufen.. :)
      Liebe Grüße, Nadja

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